Die Kommunikationslinie zwischen Sas van Gent und Hulst

1583

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Alexander Farnese, der sp√§tere Herzog von Parma, der vom spanischen K√∂nig in die Niederlande geschickt worden war, um den Aufstand niederzuschlagen, hielt 1583 Einzug in Nordflandern. Als Antwort darauf nahmen Truppen der aufst√§ndischen Niederl√§nder unter der Leitung von Philipp Graf von Hohenlohe schon bald die St√§dte Terneuzen und Biervliet ein. Dadurch verf√ľgten sie nun √ľber einen Br√ľckenkopf in feindlichem Gebiet. Farnese konnte aber dennoch Hulst und Sas van Gent erobern.

Um ihn an seinem Vormarsch zu hindern, stachen die Aufständischen einige Deiche durch, sodass das dahinter liegende Land geflutet wurde. 1548 geschah dies mit dem Seedeich an der Honte (der heutigen Westerschelde) bei Campen. Durch die Gezeitenwirkung wurde hierdurch eine große Rinne ausgewaschen: das Hellegat. Diese Meeresrinne trennte das Land van Hulst vom Land van Axel. 1586 wurde der Braakmandijk zwischen Sas van Gent und Terneuzen durchstochen. Dadurch konnte sich die Braakman nach Osten ausbreiten, wodurch das Axelsche Gat entstand, das schließlich mit dem Hellegat zusammenfloss. Hierdurch wurde das Land van Axel zu einer Insel. 

 

Im selben Jahr (1586) gelang es den aufständischen Niederländern auch, Axel zu erobern, wodurch das gesamte Land van Axel niederländisches Hoheitsgebiet wurde (und blieb).

Zum Schutz vor niederl√§ndischen Angriffen aus dem Land van Axel errichteten die Spanier mehrere Forts am S√ľdufer des Axelsche Gat, n√§mlich (von West nach Ost): Sint-Anthonius, Sint-Steven, Sint-Elooi, Creckeldijck, (beim sp√§teren Sint-Franciscus), Sint-Marcus und Sint-Anna. Diese Forts markierten die sp√§tere Kommunikationslinie zwischen Sas van Gent und Hulst.

 

√úber vierzig Jahre lang passierte in diesem Gebiet nicht viel, bis die Niederl√§nder 1633 Philippine eroberten. Sie bauten das spanische Fort am S√ľdufer der Braakman zu einer Festung aus. Damit verschafften sich die aufst√§ndischen Niederl√§nder erneut einen Br√ľckenkopf in spanischem Gebiet.

Die Festung lag an tiefem Wasser und eignete sich dadurch ausgezeichnet f√ľr die Anlandung eines umfangreichen Heeres. Angesichts der hiervon ausgehenden Bedrohung lie√üen die Spanier in aller Eile die Forts am S√ľdufer des Axelsche Gat verst√§rken; au√üerdem bauten sie noch eine nicht geringe Zahl neuer Forts. Die neuen Forts wurden in die Seedeiche der neu trocken gelegten Gebiete integriert, wodurch schlie√ülich fast alle Forts miteinander in Verbindung standen. So entstand die Kommunikationslinie.

 

Von den spanischen Forts aus dem sp√§ten 16. Jahrhundert blieb nicht viel erhalten. Mit ge√ľbtem Auge sind noch Spuren von Sint-Steven und Sint-Anthonius zu erkennen.¬† Von den Forts aus dem Jahr 1634 sind dagegen die meisten noch mehr oder weniger gut sichtbar, darunter (von West nach Ost): Sint-Jan, Sint-Joseph, Sint-Jacob, Sint-Livinus, Sint-Nicolaas und Ferdinandus. Es handelte sich um einfache, viereckige Anlagen, deren Innenhof von einem gut 10 m breiten Graben umgeben war. Das Fort war √ľber eine Br√ľcke √ľber den Graben zug√§nglich. In der Fachwelt ist man sich noch nicht dar√ľber einig geworden, ob die Innenh√∂fe mit W√§llen umgeben waren oder nicht. Bodenverdichtungen im Umfeld der Innenh√∂fe deuten m√∂glicherweise darauf hin, dass hier einst W√§lle standen.¬† Die Forts dienten als Wachtposten entlang des Rinnen- und Platengebiets im Deichvorland; darum waren sie mit Wachth√§usern ausgestattet, einer Art Ausguckt√ľrmen.

 

Nach der Eroberung von Sas van Gent (1644) und Hulst (1645) durch Prinz Friedrich Heinrich fiel die Verteidigungslinie in die Hände der aufständischen Niederländer. Danach verloren die meisten Forts ihre Funktion. Nur Sint-Anthonius, Sint-Steven und Sint-Marcus behielten noch eine Weile ihre militärische Funktion. Sint-Jan, Sint-Nicolaas und Ferdinandus wurden in Bauernhöfe umgewandelt.  

Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte man den Plan, zwischen dem Zwin und Saeftinghe eine durchgehende, s√ľdw√§rts gerichtete Wasserlinie zu schaffen. Dabei machte man von den vielen Gezeitenrinnen und Prielen Gebrauch, und man entwickelte Systeme, mit denen bestimmte Gebiete kontrolliert geflutet werden konnten. Auch das Gezeitengebiet n√∂rdlich der Kommunikationslinie wurde in die Wasserlinie integriert. Auf der gegen√ľberliegenden Seite, entlang der S√ľdk√ľste des Land van Axel, entstand eine neue Linie: die ‚ÄěLinie van Axel‚Äú.

 

Ebenso wie viele andere spanische Forts tragen fast alle Forts in der Kommunikationslinie den Namen eines Heiligen.

Die Forts der aufst√§ndischen (protestantischen) Niederl√§nder hatten eher weltlichen Charakter; sie verwiesen in der Regel auf das harte, m√ľhselige Soldatenleben, wie etwa Mis√®re, ¬†Grotendorst (Gro√üer Durst), Scherpbier (Starkbier), Kaas en Brood (K√§se und Brot) Melk en Brokken¬† (Milch und Brotbrocken) oder Boerenverdriet (Bauernelend) und Pati√ęntie (Geduld).

 

Im Zweiten Weltkrieg erwiesen sich die ehemaligen Forts erneut als n√ľtzlich. Am 16. September 1944 erreichten polnische Soldaten von S√ľdosten aus die Linie. Die vertriebenen Deutschen verschanzten sich in Axel und hinter der ehemaligen Verteidigungslinie aus dem 18. Jahrhundert im Osten der Stadt. Die s√ľdlich davon gelegenen Polder hatten sie zuvor unter Wasser gesetzt, um die Polen am weiteren Vormarsch zu hindern. Vier Tage lang wurde erbittert gek√§mpft, wobei zahlreiche Soldaten fielen. Die Forts St.-Joseph, St.-Jacob, St.-Livinus, St.-Nicolaas und Ferdinandus wurden von den Polen genutzt, um sich zu verschanzen, sich neu zu ordnen und zur Ruhe zu kommen. Sie stellten hier auch Gesch√ľtze auf, mit denen sie Axel unter Beschuss nahmen. Am 19. September gelang es den Polen, die deutschen Stellungen zu durchbrechen und Axel zu befreien.¬†

 

2005 bis 2007 wurden die Forts Sint-Joseph, Sint-Jacob und Sint-Livinus wieder besser sichtbar gemacht. √úber einen sch√∂nen Rad-/Wanderweg auf dem Festungsdeich sind die drei Forts miteinander verbunden. Die Forts sind frei zug√§nglich. Der Festungsdeich ist √ľbrigens ab Sint-Anthonius am Kanal von Gent nach Terneuzen bis kurz hinter Absdale noch fast vollst√§ndig intakt. Sint-Jan wurde 2010 instandgesetzt und ist nun von allen Seiten von der Stra√üe aus gut zu sehen.